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2004-05-20, Auffahrt 2004
Pfr. Jean-Marc Monhart

Liturgie

Liäbi Gmaind,

gest han ich en Spielfilm gseh über e Wandergruppe us dr Grossstadt Paris, wo in de Berge vo Korsika unterwegs gsi isch. Am Aafang vo dr mehrtägige Wanderig dur d Mittelmeerinsle hätt in däm Film alles klappt. Denn aber isch di korsisch Variante vonere SAC-Hütte scho uus’buächet gsi, wo di müäde Wanderer z Obig aachoo sind. Und am nächste Tag hätt sich d Wandergruppe trotz Füährer verloffe. Ohni z wüsse, wo mer isch, hett mer übernachtet, und am nächste Morge e böse Überraschig erläbt: d Rucksäck sind uufgrisse und durchwüählt gsi, d Nahrigsmittel uufgfrässe.

Aaglockt vom Nahrigsmittelgruch sind in dr Nacht Wildsäu choo und händ sich am Reiseproviant vo de erschöpft schlofende Trecker guätlich taa.

Am Morge früäh churz nach Sunne’uufgang - ohni Früähstück und ohni Orientierig - isch d Stimmig in dr Gruppe denn uf em Nullpunkt gsi.

Es hätt Striit gee.

Nach langem hin und her sind denn zwei uusgschickt worde zum dr Wäg suäche.

Tapfer marschiäred si los und mached sich scho uf stundelangs Umhärirre gfasst.

Aber chumm händ si sich uf dr Wäg gmacht, traued si ihrne Auge und Ohre nöd: vor ihrer Nase fahrt es Auto dur di taufrisch Morgeluft.

Si händ gmaint, si seiged verscholle in dr wilde Natur.

In Wirklichkeit aber händ si nur 200 Meter vo dr teerete Fahrstross entfernt übernachtet.

Wo das Grüppli churz drufabe per Autostopp vomene Pickuptruck is Dorf mitgnoh worde isch, hand sich alli uf dr Fahrt aagschwige und niämert hätt welle em andere is Gsicht luäge. So peinlich isch es de Wanderer gsi, dass si – buächstäblich – im Wald gstande sind und wäge nüt d Nerve verlore händ.

 

Liäbi Gmaind,

där Film hätt no en Epilog. In dr letzte Szene sitzed d Wanderer es halbs Johr spöter amene Hochziits‘ässe und blöffed gegenüber enere Bekannte, wo damals nöd derbi gsi isch, mit ihrne hochdramatische und haarstroibende Erläbnis bim Trekking uf Korsika.

Im Unterschied zu däne Pariser Wanderer uf Korsika wüssed mir, dass mir nöd us dr Zivilisation use’gheit sind.

Irgendwo tüüf unter üüs füahrt im Gubristtunnel eini vo de wichtigste Strosse im Grossraum Züri dure.

Und au oise Rastplatz do obe isch umgeh vo Waldwäg, sogar vomene Netz vo Waldwäg.

Mir sind in dr Natur – und gliich sind mir in dr Zivilisation: denn där Wald, wo ois umgit, isch pflägte Wald.

Wenn mer zwüschet de Boim useluäget, findet mer schnell emol dr Sendemaste uf em Üätlibärg, und s Limmattal hätt aim wieder.

Trotzdäm isch es wiän en Gang in en anderi Wält, wenn mer us em Tal dr Hügel duruf stiigt.

Es bruucht wenig zum en noie Standpunkt finde.

Es bruucht wenig zum e noii Perspektive bechoo. 

Vilicht chönd mir d Natur entspannter gnüsse, wil mir ihre nüme uus’g’lieferet sind.

In ere chalte sterneklare Winternacht vors Huus stoh und in Himmel luäge isch vil schöner, wenn mer nochher in e helli Stube sitze und en heisse Punsch trinke chan.

D Grenze zwüschet geborge sii in dr Natur und sich verloore fühle in dr Natur isch schnell emol überschritte.

Und denn chas aim so goh wiä däm Grüppli Wanderer im Spielfilm:

Si sind in äre fantastische Bärglandschaft, atmed frischi Morgeluft, ghöred d Vögel ihres Früäkonzert pfiife – aber all das nämed si nöd wahr.

Si losed nur ufs Knurre in de Mäge, luäged gegesiitig in ihri verärgerete Gsichter und gifted sich aa.

Vilicht isch d Natur denn am schönste, wenn mer si im Griff hätt.

Nöd umsuscht isch s Paradies en Garte.

Adam und Eva händ sich nöd im Schwizer Nationalpark zwüsched verrottende Lärchestämm und rutschende Gröllhalde paradiesisch gfühlt, sondern im Garten Eden, wo si en Gestaltigs- und Kultiviärigs’uuftrag gha händ.

D Zivilisation ghört zum Wohlbefinde derzuä.

Natur pur isch nöd das, wo mir bruuched.

Mir bruuched Kultur.

Und wenn mir kai Kultur meh händ: kais Zmorgebrot, kais Kaffipulver und kain Gas-Chocher – denn chan ois di ganz Natur gli emol gstohle bliibe.

In dr Uuffahrtsgschicht vom Lukas in Apostelgschicht 1,4-11 gohts um en andere, verwandte Gegesatz: es heisst do nöd direkt: Kultur und Natur; es heisst do au nöd: Zivilisation und Wildnis; sondern in dr Uuffahrts’gschicht heisst’s: Himmel und Erde.

Himmel und Erde.

D Jünger bliibed uf dr Erde.

Jesus goht in Himmel. Er goht zruck in Himmel.

Mit em Spannigsfeld vo Himmel und Erde befassed sich Religione und religiösi Ideeä hüüfig.

Vors Christetum uf oisem Bode Iizug ghalte hätt, sind dr Himmelsgott und d Ärdgöttin Fiind gsi.

D Ärdgöttin hätts irgendwiä bruucht, öpert hätt jo müse gebäre und fruchtbar sii.

Aber d Urmuäter isch au öpis düsters, bedrohlichs, wo ain zwar gebärt, aber nochher nöd goh loht, wo aim d Freiheit vorenthalte möcht, wo ain zruckbhaltet und aim hinderet, sich z entfalte.

Di vermaintlich so fortschrittliche alte Griäche händ au sone Urmuäter gha, d „Gäa“. „Gäa“ bedütet au „Land“ oder „Bode“.

D Gäa isch d Erdmuäter, und si bliibt am Bode, si chan sich nöd erhebe, si isch es niedrigs Gewächs.

Und jetzt chummt dr Gegesatz. Dr Himmel.

Bi de Germane dr Wotan.

Bi de alte Griechä dr Zeus.

Diä Himmelsgötter sind jetzt aifach s Gege’tail vo däm, wo d Ärdmuäter derfür stoht. Si sind nöd düster und unheimlich, sondern hell und strahlend.

Mer gseht klar, wora mer bi ihne isch.

D Himmelsgötter stöhnd für Freiheit, für Unabhängikeit.

Si sind unglaublich wiit entfernt vom dumpfe Bode.

Dr Wotan oder dr Zeus, diä entfaltet sich.

Zu ihne gits Gschichte – Schilderige vo Erläbnis, wo si gha händ.

(D Erdmuätere erläbed nüt. Diä brüäted nur - fortlaufend und düster.)

In de alte Religione isch dr Maa, s Männliche mit em Himmel identifiziärt worde.

Und d Frau, s Wiibliche mit dr Erde.

Dass mir an Himmelfahrt dr sogenannti „Vatertag“ händ, isch en liäbe Gruäss vo de alte Germane an oisi modern Wält.

„Vatertag“ an däm Tag, wo dr Himmel drinine vorchummt:

Diä Vorstellig, dass s Wiibliche finster und s Männliche hell seig;

diä Idee, dass s Frauliche irdisch und s Herr-liche himmlisch seig –

diä Vorstellig isch alt und si existiärt bis zum hütige Tag.

Es isch nöd unbedingt e biblischi Vorstellig.

In dr Bible sind Himmel und Erde ent’gschlechtlichet.

D Erde und dr Himmel sind quasi neutralisiärt.

Das heisst nöd, dass es kai Gschlechter git.

Sondern es heisst, dass s Verhältnis zwüsched de Gschlechter in etwa uusgliche isch.

D Erde hett im Christetum kai göttlichi Seel.

Si isch nöd e Person, sondern en Schauplatz.

Dodrdur, dass d Erde bi ois Christe kai Darstellerin imene kosmologische Theater isch, treted di nächsttüüfere Persone als Darsteller uuf: das sind d Mensche.

S wichtigste uf dr christliche Erde sind d Mensche.

Und vo däne gits in etwa gliich vil Fraue wiä Manne.

In oiserer Religion isch d Erde nüme es düsters, besitzergrifends Prinzip, wo mir üs dervo befreie münd, sondern si isch en Standort, e Region, e Gegend, wo mir aktiv gestalte sölled, wo mir pflege sölled und wo mir s üüs druf wohl loh si sölled.

Und dr Himmel?

Dr Himmel isch au nöd männlich.

Er isch es in dr Bible no niä gsi.

D Bible isch alt. Aber si enthalted Konzept, wo so modern sind, dass mer si erst jetzt langsam erkennt.

Im alte Testament isch Gott dr Schöpfer. Das isch e elterlichi Funktion. Gott isch Vater und Muäter zugliich. Er isch also aigentlich nöd Gott Vater sondern Gott Eltere. Wenn s nöd eso verwirrend wär, chönti mer au abwechslend vo Gott Muäter und Gott Vater rede. S Schwierige am Begriff „Gott Eltere“ wäri, dass Eltere zwai sind, aber Gott isch aine.

Di baide wichtigste Erschiinigsforme vo Gott im alte Testament sind dr richtendi Bündnispartner und d Weisheit.

Wenn mer vom Bündnispartner g’redet hät, denn hät mer bi de alte Israelite vermuätlich en himmlische Patriarch vor em geistige Aug gha.

Us däre Überlegig use entstammt au dr alti Maa mit em lange wisse Bart, wo im Himmel uf ere Wulke sitzt und uf d Erde abeluäget.

Das traditionelle Bild isch allerdings e chli zu soft.

Denn dr himmlischi Patriarch us em alte Testament isch zuglich en Richter.

Denn nämlich, wenn dr menschliche Bündnispartner sich nöd an d Abmachige halted und di 10 Gebot missachtet, denn bestroft er.

Dr richtendi Gott isch au es überwiegend männlichs Bild, wil jo d Richter bi de Israelite im allgemeine di alte Manne im Stadttor gsi sind.

Di ander zentral Erschiinigsform vo Gott im alte Testament isch diä vo dr göttliche Weisheit.

Und das, die Stimme der Vernunft, isch e Frau.

Si isch gliichziitig au dr Lebenshuuch, wo Gott jedem einzelne Mensch iihuucht. So lang en Mensch läbt, hett er - alttestamentlichem Verständnis zufolge – öpis Göttlichs in sich.

Das isch aber nur e Leihgab.

Wenn mer stirbt, huucht mer s Göttliche us, git dr Odem zruck an Schöpfer, und das, wo denn als Rest bliibt, dr sterblichi Körper, das git mer zruck an d Schöpfig.

Im alte Testament isch dr Odem aber au si gliichige wiä d Weisheit, wo aim sait, wo dure.

Das, wo mer spöter als göttlichi Vorsehig bezeichnet hätt, das isch nach alttestamentlicher Idee in jede einzeln iiprogrammiärt, und zwar nöd als Prinzip, sondern als öpis Läbigs.

In jedem vo ois läbt öpis Vernünftigs, Schöns, Göttlichs, wo nöd ois ghört, und wo ois dr Wäg zaigt, und zur Iisicht füährt.

Aifach dass mir als Mensche am Läbe sind, beinhaltet bereits en himmlische Huuch.

Mir bliibed dodrbi nöd stoh bim Göttliche in ois, sondern s Göttliche in ois wiist üs wiiter zu däm, wo s her chummt und wo üs das geh hett.

Churz zsämegfasst: uf dr Erde gits Fraue und Manne.

Und im Himmel gits e Gottheit, wo bereits im alte Testament in Bilder wahrgnoh worde isch, wo wiiblich und wo männlich sind.

Das heisst in dr Konsequenz: mir dörfed zumindest als Christe s Wiibliche nöd in d Erde verbanne und genausowenig dörfed mir s Männliche in Himmel hebe.

Es ghört beides ufe und abe.

Himmelfahrt isch drum au kais Fest, wo s himmlische Prinzip s irdische Prinzip besiegt.

D Himmelfahrt vo Jesus isch kai Entwärtig vo dr Erde, wo d Jünger druf zruckbliibed.

D Erde, wo, mir üs druf befinded, isch nöd weniger wärt als dr Himmel, wo dr Jesus dri uufgnoh wird.

D Jünger händ das im Moment nöd verstande. Si fröged Jesus, wenn das d Ziit für diä Ärde ab’g’loffe seig.

D Antwort vom Jesus luutet: „Den Zeitpunkt dafür hat mein Vater selbst festgelegt; ihr braucht ihn nicht zu kennen.“

Das heisst: mir sind jetzt do une.

Und mir ghöred do hii.

Es isch Dr Wille vom Schöpfer, dass mir jetzt doh sind.

Irgendwenn sind mir nüme doh, aber das isch nöd oises Problem, wil mir nöd us aigeter Entscheidig doh oder nöd doh sind.

Dr Schöpfer hett öpis festgleit, und dodrzuä ghört, dass d Schöpfig e bestimmti Ziit hätt.

Für d Laufduur vo däre bestimmte Ziit gits kai besseri Alternative.

Dr Himmel isch kai Option, solang d Ziit für ois in dr Schöpfig nonig erfüllt isch.

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel Blockflöte [Melodie EG 163 „Jesus, Herr und Haupt der Deinen“]

    02Gruss

    03Sommerlied „Wir wollen fröhlich singen“ EG 542,1-5

    04Psalmgebet im Wechsel EG 130,1-18 (=Teil 1)

    05Morgenlied „Schön isch dr Morge“ 1-4 (Liedblatt)

    06Psalmgebet im Wechsel EG 130,19-35 (=Teil 2)

    07Schöpfungslied EG 537,1.9.14.15 „Geh aus, mein Herz“

    08Predigttext zu Auffahrt [EG 490]

    09Auffahrtslied EG 491,1-5 „Gen Himmel“

    10Besinnung

    11Loblied EG 98,1-3.6 „Du meine Seele, singe“

    12Kollekte: ... / Mitteilungen: ...

    13Segenslied EG 346,1-4 „Bewahre uns, Gott“

    14(gemeinsam / stehend) Unser Vater

    15(stehend) Segen

    16(sitzend) Schlussspiel Blockflöte [EG 801 „Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ“]