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2004-05-09, Gottesdienst mit Taufe von Chantale Flühmann, Muttertag
Pfr. Jean-Marc Monhart

Liturgie

Predigttext Kolosser 3,12-17

    (12)Führt also euer Leben als Menschen, die Gott erwählt hat, um ihnen seine Liebe zu erweisen und sie zu seinem Volk zu machen. Seid mitfühlend, freundlich, ehrerbietig, nachsichtig und geduldig.

    (13)Kommt miteinander aus! Tragt es keinem nach, wenn er euch Unrecht getan hat; sondern vergebt einander, wie der Herr euch vergeben hat.

    (14)Tut alles in der Liebe! Sie verbindet euch und führt euch dadurch zur Vollkommenheit.

    (15)Der Frieden, den Christus schenkt, soll euer ganzes Denken und Tun bestimmen. In diesen Frieden hat Gott euch alle miteinander gerufen, denn ihr seid ja durch Christus ein Leib. Dankt Gott dafür!

    (16)Lasst die Gute Nachricht von Christus ihren ganzen Reichtum bei euch entfalten. Helft einander, sie immer besser zu verstehen, und ermahnt euch gegenseitig mit aller Weisheit. Singt Gott von Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, die der Geist eingibt. Dankt ihm so für die Gnade, die er euch geschenkt hat.

    (17)Alles, was ihr tut und was ihr sagt, soll im Aufblick zu Jesus, dem Herrn, geschehen. Euer ganzes Leben soll ein einziger Dank sein, den ihr Gott, dem Vater, durch Jesus Christus bringt.

 

Liäbi Gmaind!

di letztä viär Wuche sind für mich prägt gsi vom Militärdiänst. En Vorkurs, dr sogenannti „KVK“ = Kadervorkurs, und nochher drei Wuche Wiederholigskurs, „WK“, händ sich über es Total vo vier Wuche erstreckt.

Won ich no Soldat gsi bin, han ich d Diänst’ziit über mich chöne ergoh loh und aifach abwarte, bis es fertig isch.

Won ich 1994 Feldprediger worde bin, han ich dr Offiziärsgrad gschänkt überchoo, und där dörf ich jetzt, bis ich 50i bin und wenn ich gsund blibe no länger, abverdiäne. Offiziär sii bedütet, dass mer im Militär nöd abschalte chan, sondern Verantwortig übernimmt. Aifach abwarte, bis es fertig isch, langet nüme. Mer muäs aktiv en Biitrag leiste.

Militärdiänst isch für mich verbunde mit intensive Naturii‘drück und mit em bessere Kenne’lerne vo dr Schwiiz. Für s bessere Kenne’lerne vo dr Schwiz isch dr Umstand verantwortlich, dass mer meistens nöd an sim aagestammte Wohnort Diänst leistet, sondern suscht in irgend eme Krache.

Min Krache isch Frutige gsi: Frutigen zwüsched Spiez und Kandersteg im Berner Oberland. Diä Ortschaft isch mir bis Mitte April nur vom Durefahre im Zug her bekannt gsi. Vo Frutige us fahrt s Postauto uf Adelbode. Jetzt isch Frutige nüme bloss en Fahrplanbegriff für mich. Ich bin döt gsi, richtig döt gsi.

S andere, won ich aatönt han, isch dr intensivi Naturiidruck. Für där gits vilicht e rationali Erklärig. S Ässe im Diänst isch äfängs guät, und zwar sehr guät. Dihai im Stab und bi als Gast bi viär Kompaniä han ich kais ainzigs Mol schlächt gässe.

Au über d Unterkunft kan ich mich nöd beklage. Zwar hätt mer im Zimmer unter em Dachstock vo links s endlose Gurgle vom Heizigswasser im Radiateur g’hört und vo rechts s Surre, Ruusche und Poche vo dr Belüftigs’aalag.

Als Zivilist würdi mer vilicht en Uufstand mache, aber im Diänst liit mer aifach ab und schloft ii. Und ghört diä chaibe Grüsch denn erst wider, wenn es paar churzi Stunde spöter dr Wecker piepst.

Und das, dr wenigi Schlof, isch vilicht s Gheim’rezept für di intensive Landschafts’iidrück und Natur-Impressione im Militär’diänst.

Wenn mer muäd isch – und das isch mer aigentlich immer - , denn nimmt di seelischi Widerstands’chraft ab.

Je muäder en Mensch wird, desto umfassender wird sin psychische Schutz’schirm deaktiviärt und desto wiiter wird sis mentale Immun‘system abe’g’fahre.

Das haisst: ich chan diä Iidrück, wo mich umgänd, nüme so liicht ab‘fädere.

Ich chan mich vor däm, won ich gsehne und ghöre und gspüre und erläbe, nöd eso liicht distanziäre.

Das chan au negativ sii: wenn ich übermüädet bin, und d Stimmig in dr Truppe isch mies, denn isch es sehr schwär, sich däre Stimmig z ent’züche.

Es chan positiv sii: wenn ich im Morge’tau zwüsched nass glänzende knall‘grüäne Wiese dure’marschiäre und derbi an altehrwürdige Holz-Buure’hüüser mit sunne’g’schwärzte Balke verbii‘chume, wenn ich graduus di erste Bluäme in de Vorgärte und mit liichtem Aahebe vom Blick dr Neuschnee uf de Höger und Gipfel erblicke, denn falled diä Iidrück un’gfilteret und direkt ii.

S Gruän isch gruäner, s Schwarz isch schwärzer, s plötzliche Schneetriibe isch flockiger und d Bluäme sind farbiger, wenn mer so muäd isch, dass mer absitze und iischlafe chönnti, und gliich voll im Schuss drin isch.

 

Liäbi Gmaind,

hüt händ mir Muätertag. Über Muäterliäbi gits vil zum Säge. Allerdings chan mer Muäterliäbi nur schlecht erlerne, in dem mer es Buäch list mit em Titel „Wie werde ich eine liebende Mutter“. Di intensiv Bezüchig zwüschet Muäter und Chind lauft nur zum Tail über d Verstandes’ebeni und rationali Lern’prozess. Vil Muäterlichs isch Biologie, vil Müäterlichs isch hormonell bedingt.

Wenn mer wiiblichi Tiär meh vomene gwüsse Hormon git, werded si fürsorglicher gegenüber em Nachwuchs und verteidiged di Junge aggressiver gegenüber Bedrohige.

Und mir Fraue und Manne sind zumindest biologisch gseh ebefalls so en Art vo Tiär.

Aber au das, won ich vorher gsait han vo dr Muädigkeit hätt sicher en Zsämehang mit dr intensive Bezüchig zwüsched Muäter und Chind.

Vor allem, wenn d Chind chlii sind, und mängisch spöter au no, händ vili Müätere zwenig Schlof.

Dur das isch au ihri seelischi Widerstands’chraft zwangs’läufig reduziärt.

Das bedütet, dass mer als Muäter alles, wo s Chind betrifft, vil un’g’filtereter und direkter wahrnimmt, als wenn mer jede Tag uus’g’schlofe und cool wär.

E cooli Muäter isch allerdings öpis, wo zumindest di chliine Chind kai grossi Froid draa hätted.

Was macht mer im Militär, wenn mer aifach muäd isch?

Mer git unnötige Widerstand uuf und git sich em Diänstbetrieb hii, damit s so guät lauft wiä möglich.

Das isch in dr Muäterschaft doch ganz ähnlich.

Mer muäs Prioritäte setze.

Mir hätt scho e Muäter vo chline Chind gsait, dass si im Moment kai Tages’ziitige list.

Ihri Begründig sich gsi: wenn si Ziitige läse würd, denn müssti si sich uuf’rege über das, wo si list, und si hätt mit ihrne beide Chliine im Moment aifach kai Energie meh vorig zum sich uufrege!

 

Liäbi Gmaind,

ich glaub, mir sind ali oiserne Muätere dankbar, wenn si, wo mir no chlii gsi sind, Prioritäte gsetzt händ und ihri Energie für ois bruucht händ.

Au Muäter sii chan bedüte: unnötige Energie’verschleiss z beende und sich dr Muäterschaft aifach hii’z‘gee, sich ine’z‘gee, damit s eso guät lauft wiä möglich.

Dass d Vätere ebefalls en intensivi Bezüchig zu de Chind uufbaued, isch sicher wichtig.

In däm Zsämehang isch vo „quality time“ d Red, vo Qualitäts’ziit.

Das bedütet: dr Bapi gseht s Chind vilicht nur e halb Stund am Tag, aber diä drissg Minute gestaltet er so sinnvoll und erzücherisch uufbauend, dass si sovil wärt sind wiä vierezwänzg Stund am Tag vom Mami mit em Chind.

„Quality time“ – ich bin e chli skeptisch.

Sicher chan mer diä Ziit, wo mer als Bapi in dr Familiä verbringt, meh oder weniger sinnvoll nutze.

Trotzdäm glaub ich, dass, in gwüsser Wiis, e Stund immer meh wert isch als e halb Stund.

Und ich glaub, dass do si, ume sii immer öpis anders isch als nöd do si, abwesend sii.

Drum dänk ich, dass mer als Vater au mit dr sinnvollste Nutzig vo dr Famile’ziit nöd es muäterlichs Do-sii, es muäterlichs Ume-Sii, ersetze chan.

Abgseh dodrvo find ich „quality time“ e chli e abschätzigi Formuliärig.

Wenn dr Vater am Samstigvormittag mit sinere Tochter es stufe’gerechts Dinosauriär-Puzzle us Bioholz zsämesetzt, isch es quality time, ok.

Aber was isch denn das, wenn s Mami an jedem Tag, wo dr Bapi nöd doh isch, dreimol di Windle wechslet? Isch das denn kai „quality time“?

Isch di normal Aaweseheit vo dr Muäter bim Chind d Wuche dur denn „no quality time“ oder „low quality time“, Ziit mit ere niedrigere Qualität, oder überhaupt ohni Qualität?

 

Liäbi Gmaind,

am Aafang vo dr Predigt han ich Ihne Kolosser 3,12-17 vor’g’läse. Es handlet sich um Ratschläg, wiä d Chile’gmaind in Kolossä in dr Südwest-Türkei ihres Klima verbessere chönti.

Dr Paulus benutzt doh dr Analogieschluss.

Er macht en Analogie zwüschet Gott und Mensch einersits, sowie Christ und Mitchrist anderersiits.

Gott liäbt ois, also sölled mir oisi Mitchriste ebefalls liäbe.

Gott vergit öis, also sölled mir oiserne Bruädere und Schwöstere ebefalls vergeh.

Gott schenkt ois Fride, also sölled mir ebefalls Fride wiitergeh, ois Fride ermögliche.

Das isch übrigens au dr Uuftrag wo dr Polizei und vo dr Schwizer Armee: si söll Fride ermögliche.

Dr Paulus isch jo nöd blöd gsi: Wenn ali Mensche ohnehin fridlich mitenand umgoh täted, denn hätti er ois nöd müse speziell uuf’fordere, fridlich mitenand z sii.

Tendentiell sind mir unfridlich.

Und Fride isch gliichziitig es Gschenk und en Kampf.

Fride muäs mer bechoo und um Fride muäs mer ringe.

Am Paulus sini Analogiä umfassed no en wiitere Punkt: Gott schänkt Euch Gnad, also singed ihm!

Rain vom logische Uufbau her chönnti mer aaneh, dass es haisst: „Gott isch Euch gnädig, also sölled ihr Christe unterenand gnädig sii.“

- Es isch vermuätlich nöd falsch, aber eso stoht’s nöd im Kolosser’briäf.

Dr Paulus sait: Gott isch Euch gnädig, also singed!

Und Detail hätt er grad au no: Mir sölled singe „von Herzen“.

Dänked si an d Natur’iidrück im Zaiche vo dr militärische Übermuädig.

Mer git sich dr wunderbare Wält vom Berner Oberland amene strahlend sunnige Morge hii, wil d Alpe’wält dur ali Sinnes’portal direkt is Herz ii’ziäht.

Und wenn mer von Herzen singt, denn loht mer das zuä, dass dr Jubel und d Froid und d Liäbi und dr Chummer und d Sehnsucht, dass all das nöch an ain ane chummt.

Und wenn mer s gemainsam macht, wird mer in däre Nöchi und in däre Direktheit und Intensität mitenand verbunde. Und so lobt mer Gott und dankt ihm für sini Gnad.

Drei Sorte vo Liäder kennt dr Paulus: Psalm, Hymne und Liäder, wo dr Geist vo Gott iigit.

Psalme, das sind Gebät. Psalme sind meistens „Ich-Liäder“. Es goht um Mis Befinde, oder Oises Befinde, und das tailed mir Gott mit.

Wenn Psalme ehnder Liäder zu Gott sind, en Art Kommunikations-Songs, denn sind Hymne eher Liäder über Gott. Dr Übergang isch flüüssend, aber wenn‘s nüme gross um mich goht im Liäd, und mini persönlichi Empfindig nebe’sächlich wird, denn isch es tendentiell en Hymne.

Dr Schwizer Psalm zaigt, wiä nöch diä baide Sorte Liäd mitenand verbunde sind: „Trittst im Morgenrot daher“ hätt einersiits Element vomene Psalm, wil er sich uf s persönliche Erläbe bezücht -  im lüchtende Morgerot oder im grossartige wilde Sturm begegne ich em Göttliche. Im Obig’glüäh oder in dr fluoresziärende Näbelwand ahne ich Gott.

Das sind persönlichi Erfahrige, also wär das Liäd en Art en Psalm.

In dr Bezaichnig „Landeshymne“ isch aber au d Erkenntnis enthalte, dass es im Liäd „Trittst im Morgenrot daher“ in erster Liniä um Gott goht.

Und zwar in allne viär Strophe.

Dr ainzelni tritt in Hintergrund, er nimmt sich zrugg; mir nämed ois zrugg und gänd em Höchste d Ehr.

Di dritt Sorte vo Liäd, das isch quasi dr Jazz-Paragraph vom Noie Testament.

Liäder, wo aim dr Gaist iigit, also spontani Gsäng, Sache, wo aim usere Stimmig use in Sinn chömed, inspiriärti Liäder vom Moment.

Spontaneität, Improvisation, Unmittelbarkeit, Präsenz im Augeblick: au dodrmit bedanked mir üs bi Gott für sini Gnad.

Gnad isch also nöd öpis streng Reglementierts, sondern je nach dem chan mr dr Gnad entspreche mit (ge)planter, komponiärter, iistudiärter Musig oder mit Improvisation, mit uusprobiäre, mit erprobe und mit Experiment.

Aifach so, wiä s aim dr Gaist iigit.

 

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Eingangslied 571,1-4.6 „Die güldne Sonne“

    04(stehend / im Wechsel) Psalmgebet EG 110 (= Psalm 19)

    05Eingiessen des Taufwassers

    06Erstes Tauflied EG 181,1-4 „Bi dr Taufi“ (mit Orgel und Gitarre)

    07(Taufpaten treten herzu) Text „Engel“ von Gotte und Götti

    08(Eltern mit Chantale treten herzu) Taufe mit Melodie und Fürbitte stehend (danach: Taufgesellschaft setzt sich)

    09Zweites Tauflied KU 201,1-5 „Die ersten Schritte, die du gehst“ (Orgel 1 oder 2 Strophen Vorgabe, dann Orgel und Gitarre)

    10Predigt, Gedanken zum Muttertag

    11Zwischenspiel

    12Lied KU 210,1-6 „Gottes Liebe ist wie die Sonne“ (mit Orgel und Gitarre)

    13Kollekte: ...

    14Mitteilungen: Ende Militär, wieder Schule und Konf; Rosen am Ausgang; weiteres...

    15Schlussstrophen EG 571,8-9 (aus: „Die güldne Sonne“)

    16(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    17(stehend) Segen

    18(sitzend) Ausgangsspiel