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2004-04-11, 10:00 Gottesdienst zu Ostern Osterevangelium nach Johannes, Kapitel 20, Verse 1-29
Liäbi Gmaind, Früälig und Ostere – Ostere und Früälig. Traditionell fiired mir d Uuferstehig vo Jesus im Fruälig. Es isch e Tradition - eso ähnlich wiä bi Wiähnachte, wo mir in dr Nöchi vo dr Wintersonnenwende fiired. Denn, wenn d Nächt wider chürzer werded, ohni dass mer dodrvo scho vil merke würd; denn, wenn d Täg länger werded, ohni dass mer das scho am erste e chli längere Tag bewusst wohrnimmt – um diä Ziit ume fiired mir d Geburt vo Jesus. Nach dr Geburt vo Jesus isch nöd sehr vil passiärt, usser natürlich für d Eltere, aber für d Eltere passiärt nach jedere Geburt vomene Chind sehr vil. Fürs Volk vo Gott, wo mir üs jetzt au derzuä zelled, isch denn no rund drissg Johr Pause choo. Ebe wi bi de erste Nächt nach dr Wintersonnenwende, wo dr Countdown zwar lauft – d Nächt WERDED chürzer - , wo s aber no lang goht, bis aim das denn richtig ins Bewusstsii stiigt. Und denn chummt also d Osterziit, als Abschluss vo dr Passionsziit, und diä wird im Früälig g’fiiret. Nois Läbe, wo us dr rohe Erde use hervorbricht, Früäligsbluämli, wo zwische niedrige Gräsli als knalligi Farbtupfer füre’steched – das isch an und für sich es schöns Bild für Uuferstehig, für d Uuf’erweckig, für d Wiederkehr us em Riich vo de Tote, für s End vom Winter mit sinere Herrschaft vo dr Chelti. Damit mir besser verstoh chönd, was Uuferstehig für Eigeheite hett, schadet’s minere Meinig nach nöd, s christliche Fest mit Vorkommnis in dr Natur z vergliiche. Do chan mer sich nämlich Gedanke mache über Einmaligkeit und Mehrmaligkeit, über Freiheit und Automatismus, über Willens’chraft und Vorherbestimmig. Wo’s um menschlichi Leistige goht, betoned mir d Willens’chraft. Wenn am Ostermäntig s Cupfinale Wil-Grashoppers im Basler Jakobs-Stadion stattfindet, wird di aint Mannschaft als Siegerin hervorgoh. Und bi däre Mannschaft werded d Lüüt denn nochher säge, wieso dass si g’wunne hett. Und denn wird’s heisse: si händ di besser Mannschafts’leistig zeigt, si händ Spil’witz gha, si händ dur brillianti Einzel’leistige d Entscheidig herbii’g’füährt – also, mer wird säge, diä, wo gwunne händ, diä händ scho us irgendeme Grund gwunne. D Siegermannschaft hett vilicht us eme ganze Bündel vo Gründ gwunne. Und sicher chan ain vo däne Gründ sii, dass mer au Glück gha hett. Aber s Glück chummt nur zu öpis derzuä. Es git kain Automatismus. Es funktioniärt nöd vo sälber. Wenn GC sait, mir gwünned sowieso, mir gönd gar nöd uf Basel, denn händ si 0:3 forfait verlore. Und das Glück, wo si vilicht gha hätted, wenn si as Finale g’fahre wäred, dem händ si, wenn si dihai bliibed, gar kai Chance gee, zum si beglücke. Also, döt, wo’s um menschlichi Leistige goht, münd mir aimet hiigoh, mir münd öpis unter’neh, mir münd öpis mache – und denn klappet’s, oder es klappt nöd, aber wenn s klappet, denn händ mer Froid, und wenn s nöd klappet, händ mir s wenigstens probiärt. Isch dr Tod vo Jesus en Automatismus? Isch d Uuferstehig vo Jesus en Automatismus? Hett’s aifach eso muäse choo? Oder isch dr Tod vo Jesus am Chrüz e Leistig – öpis, wo Jesus als verantwortlichs Einzelwese wele und verantwortet und g’leistet hett? Und denn d Uuferstehig – isch diä e Gsetz’mässigkeit, e Notwendigkeit? Isch Ostere en vorprogrammiärte Ablauf? Bim Früälig schiint’s jo so z sii: ich muäs nöd zu jedere einzelne Narzisse goh und ere säge, so, es isch im Fall so wiit, chum jetzt us em Bode use, es isch Früälig. Diä Blüämli chömed vo sälber. Ich chan si natürlich in mim Garte pflanze, damit si bi mir chömed. Aber dass si chömed, das isch nöd dur min Wille und mini Kreativität etc erklärbar. D Narzisse sind uf das programmiärt, dass si wachsed und blühed. Es isch Gottes Wille gsi, dass Jesus uuf’er’weckt worde isch. In däm Moment, wo Jesus g’storbe isch, hätt, sowiit mir das be’urteile chönd, d Willens’chraft vo Jesus kai Bedütig meh gha. Dr Willä vo Gott, das wär das, wo für ois bestimmt isch. Und mir chönd probiäre, dr Wille vo Gott z erkenne, und denn eso z läbe, wiä Gott das vo ois will. Im Fall vo Jesus hett das aber in grossi G’fahr g’füährt. Dr Wille vo Gott für Jesus isch vermuätlich scho gsi, dass Jesus an d Öffentlichkeit goht und e grossi Anzahl vo Mensche derzuä überzügt, an di noi Wält vo Gott z glaube. Das bedütet nöd, dass es dr Wille gsi wär vo Jesus, z stärbe, so quasi als kalkuliärte Selbstmord. Wiä mir us dr Bible wüssed, wär’s ihm liäber gsi, er hetti nöd müse sterbe. Aber wenn er sini Bestimmig hett wele uus’läbe, s Riich vo de Himmel z predige, denn hett er wi automatisch uf Kollisions’kurs müse goh mit zwei Gruppe vo Lüüt: mit däne, wo s Monopol gha händ über s Rede vo Gott – und mit däne, wo s Monopol gha händ über s irdische Riich. Es religiöses Establishment, wo d Pharisäer, di sogenannte „Schriftgelehrte“, drinine e Rolle g’spilt händ, isch verärgeret gsi über dr Jesus. Däm Ärger hätti dr Jesus chöne uus’wiiche. Jesus hätti chöne ganz schwiige. Er hätti denn chöne ganz für sich elaige glaube und so total mega fromm si, niämert hätti s gmerkt und kaine hättis gstört und vilicht wär Jesus 80 Johr alt worde. Und er wäri gstorbe als Versager. Oder: Jesus hätti chöne rain privat vorgoh. Das hätts geh. Zumindest s Kloster vo Qumran isch bekannt. Diä Lüüt döt händ dänkt, dass mer sich in dr normale Wält dusse sowieso versündigt, und dass es drum am gschidste isch, an dr Rand vo de bebaute Gebiät z goh, wo gliichziitig dr Rand vo dr Wuästi isch, und dötte ohni Ii’mischig vo usse es Gmainschafts’läbe z füähre. Vermuätlich wäri Jesus au mit däm Konzept vome fromme Privatklub wiit ab vom Schuss dure choo. Dr römische Besatzigs’macht hätti’s chöne egal sii, wenn aine irgendwo imene Kloster sait, „ich bin dr noi König“. So lang wi där noi König immer schön in sim Kloster bliibt und nur Unter’tane akkzeptiärt, wo bi ihm ii’züched, stellt er für d Römer kai G’fahr dar, und si münd ihn nöd als Sicherheits’risiko eliminiäre. Womöglich hätts zur Ziit vo Jesus mehreri religiösi Wohngmeinschafte geh, wo sich dr jewiligi Huus-Chef drin als noie Messias und endgültige Abgesandte vo Gott verstande hett. Diä sind aber nöd in d Dörfer und in d Städt go predige, also nöd an d Öffentlichkeit. Döt, an dr Öffentlichkeit, händ di organisiärte Streng’gläubige ihres Predigt- und Meinigs’monopol gha, und das händ si dur es aifachs Mittel verteidiget: wer gege di gültig Meinig vo de Streng’gläubige gsi isch, der isch als Gotteslästerer bezeichnet worde. Und denn hett mer nur no müse warte, bis grad emol kai römischi Soldate in dr Nöchi gsi sind, und denn hett mer där vermaintlichi Gotteslästerer g’stainiget. In dr Theorie händ di römische Soldate als Machtmonopoliste natürlich s alainige Rächt gha, öpert um’z’bringe. Und vor allem in Jerusalem sind di römische Truppe sehr präsent gsi. Döt hät’s zu vili Legionär gha zum dr Jesus chöne unbemerkt stainige. Aber dr Jesus isch zum Predige uf Jerusalem choo und hätt sich als Gottessohn und somit als König vom noie Riich bezaichnet. D Römer händ kais nois Riich wele, si sind mit ihrem alte römische Riich voll z’fride gsi. Und so hätt’s g’langet, dass dr Hohi Rat vo Israel Jesus verhaftet und de Römer offiziell übergeh hätt. Dr Rest hätt dr Pontius Pilatus erlediget.
Liäbi Gmaind, cirka 70 Johr spöter schribt dr römischi Schriftsteller und Historiker Tacitus, es gäbi in Rom immer meh Lüüt, wo uuf’rüährerischi Gedanke heiged, wil si an en Christus glaubed, wo vom Pontius Pilatus während sinere Ziit als römische Statthalter in Jerusalem hii’g’richtet worde seig. Doh hett d Uuf’erstehig scho statt’g’funde. Do sind diä Früäligs’bluämli us em Bode choo. G’sät worde isch in Jerusalem, uuf’g’ange isch es in Rom und an vilne andere Orte au. Dass dr Papst am Ostersunntig dr Säge „urbi et orbi“ für di ganz Wält in vilne Sproche ertailt, isch in däm Zsäme’hang e fort’g’setzti Gnug’tuig (Genugtuung). S offizielli Rom us dr Ziit vom römische Imperium hett Jesus uf em Gwüsse. Us em gliiche Rom chümt jetzt, Johr für Johr, dr Säge für di ganz Wält im Name vo däm Jesus, wo mer tödet hätt und wo dur dr Wille vo Gott uuf’erstande isch. Jesus hett wele siin Wille mit em Wille vo Gott in Übereinstimmig bringe. Das isch bis spötestens zum Verhör vor em Pontius Pilatus üsserlich möglich gsi. Nachdem dr Pilatus Jesus zum Tod verurteilt gha hett, isch dr Wille vom Pilatus und vo de römische Soldate massgebend gsi. Jesus hett üsserlich kai Spilruum meh gha, vo döt aa hett er müse sterbe – en Automatismus isch in Gang gsetzt gsi. D Willens’chraft, s seelische Leistigs’vermöge vo Jesus, hett trotzdäm no e Rolle gspilt. Dodrbi isch es nöd um d Frog gange, ob Jesus liidet – do het er dure müse - , sondern WIÄ er liidet. Sini letzti Versuächig isch es gsi, dr Wäg mit Gott innerlich ab’z’lehne, sin Läbens’wäg z bereue und Gottes Bestimmig für ihn als Fehler z bezeichne. Jesus isch Gott au no am Chrüz troi blibe, er hätt nöd Gott verfluächt, wi ihm das vo Zuä’schauer nöch’glait worde isch. Er hätt sich vo Gott verlasse gfühlt, aber er hett Gott nöd uufgeh. Er hett an ihm fest’ghalte. Und das isch s Letzte gsi, wo er us sinere Initiative, us sim freie Wille, us sinere Entscheidigs’fähigkeit use hett chöne mache. Nochher isch er g’storbe. Es isch schwirig, vo Gott z rede wiä vomene Mensch. Trotzdäm wänd mir über das rede, wo mir ois druf abstützed und wo mir erwarted, und das sind denn bereits Glaubensfroge, und scho reded mir über Gott. Mir säged als Sproch’regelig: Gott hett Jesus uuf’er’weckt. Jesus isch nöd dur sin seelisch perfekte Tod quasi vollautomatisch uuf‘erweckt worde. Sondern es isch dr Wille vo Gott gsi, es isch e verantworteti Einzelentscheidig vo Gott gsi, e absichtsvolli, überlaiti Tat vo Gott, dass er Jesus uuf’erweckt hätt. Und jetzt sind mir wider bim Früälig. Natürlich sind mir schlau und wüssed, dass im Früälig d Narzisse füre’chömed. Vo sälber. Aber wer sait denn, dass es nöd au e verantworteti Einzelentscheidig vo Gott isch, wenn irgendwo es Blüämli us em Bode chummt? Wer sait denn, dass es nöd jedesmol e absichtsvolli, überlaiti Tat vo Gott isch, wenn en Struuch knospet? S noiä, ewige Läbe vo Christus isch Gottes Wille. Und Gottes Wille zu noiem Läbe umgit üs viltuusigfach. Im Früälig gseht mer das bsunders guät.
AMEN.
01Eingangsspiel – Domenico della Bella (um 1700): Andante – Allegro für Posaune und Continuo (Continuo: Walter Staub, Orgel) 02Begrüssung, Einladung zum Abendmahl, Osterevangelium nach Johannes, Kap 20,1-10 03Bekanntes Osterlied EG 466,1-4.9 „Gelobt sei Gott“ 04(stehend, im Wechsel) Gebet EG 127 (Psalm 100, nach Martin Luther) 05Zwischenspiel I – Johann Ernst Galliard (um 1680-1749): Cantabile – A tempo moderato für Posaune und Continuo 06Osterevangelium nach Johannes, Kap 20,11-18 07Zwischenspiel II – Johann Ernst Galliard (um 1680-1749): Largo – Allegro für Posaune und Continuo 08Osterevangelium nach Johannes, Kap 20, 19-23.24-29 09Zwischenspiel nach der Predigt – Henry Purcell (1659-1695): Allegro 10Danksagung 11(stehend, gemeinsam) Unser Vater 12(stehend) EG 462 „Christ ist erstanden“ 13Einsetzungsworte 14EG 484,1-5 „Ich sag es jedem, dass er lebt“ 15(HelferInnen treten zum Tisch) Austeilung an die HelferInnen 16Austeilung an die Gemeinde, dazu Musik Orgel – die Gemeinde sitzt am Platz 17(stehend) Dankgebet (danach: HelferInnen setzen sich) 18Reprise Osterlied 2000 EG 472,1-4 „Christus ist auferstanden“ 19Kollekte: ... 20Mitteilungen: ökumenisches Eiertütschen im Foyer / Unterschriftensammlungen / schriftlicher Hinweis 21(stehend) Segen 22(sitzend) Ausgangsspiel – Henry Purcell (1659-1695): Allegro
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