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2004-02-15, 10:00 Gottesdienst zum 6. Sonntag nach Epiphanias Schriftlesung: Lukas 8,4-8
Predigttext: Hebräer 4,12-13 (12)Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert, es dringt durch und trennt Seele und Geist, Mark und Bein. Es zieht die geheimsten Wünsche und Gedanken der Menschen zur Rechenschaft. (13)Es gibt nichts, was Gott verborgen wäre. Alles liegt nackt und bloss vor den Augen dessen da, dem wir Rechenschaft schuldig sind.
Liäbi Gmaind, was söll mer mache, wenn aim en Bibeltext nöd g’fallt? Söll mer denn där Bibeltext aifach übergoh, eso tuä, wiä wenn s en gar nöd gäbti? Dr Urwalddokter und Missionar Albert Schweitzer isch emol g’frögt worde, was er mit däne Stelle in dr Bible aafangi, wo für ihn schwär verständlich oder sogar ärgerlich seigid. D Antwort vom Albert Schweitzer isch gsi: ich bin scho meh als uus’g’lastet, wenn ich nach dem in dr Bible läbe, wo für mich klar isch. – Für dr Missionar hett’s sovil Guäts und Verständlichs in dr Bible, dass er s nöd schafft, nur scho das in sich uuf’z’neh und in sis Läbe ii’z’beziäh. Drum, wenn er bi öpis nöd druus’chummt, oder sich sogar über öpis uuf’regt, wo in dr Bible stoht – das nimmt er nöd tragisch. Wägem schöne Gsamtbild, wo s Wort vo Gott für ihn darstellt, macht er sich über merkwürdigi Detail an dem Gemälde kai Sorge.
Liäbi Gmaind, wenn öpert en iiprägsami Bemerkig macht, handlet sich s meistens um e Uus’sag, wo ai’siitig isch, zuä’g’spitzt, e chli übertribe. Em Albert Schweitzer isch es nämlich au nöd egal gsi, wenn ihm öpis in dr Bible unverständlich oder schräg vor’choo isch. Zum mit de für ihn schwirige Uus’sage vom Jesus en Rank finde, hett er sich e Theorie zwäg’glait. Dr Schweitzer hett gsait: wenn mich öpis nervt, wo dr Jesus in dr Bible sait, denn hett Jesus das ebe nur „angeblich“ gsait. In Wirklichkeit hett das öpert anderst derzuä’dichtet, wo s noie Testament uuf’gschribe worde isch. Am Jesus sini Predigte und G’schichte sind jo erst uuf’gschribe worde nach sim Tod und sinere Uuf’erstehig. Vorher hett mer s nöd müse uuf’schribe. Vorher hett mer chöne direkt zum Jesus goh und ihm zuä’lose. Das, wo dr Missionsarzt Albert Schweitzer indirekt über dr Jesus sait, isch folgendes: dr Jesus isch en vernünftige Mensch gsi. Also hett dr richtigi, dr historischi Jesus, doch sicher luuter vernünftigi Sache gsait. Und, wenn ich jetzt im noie Testament lise, und do sait Jesus öpis, und das isch unvernünftig – joh, denn isch es halt nöd vo ihm. Ain vo sine Jünger oder öpert vo dr frühä Chile hätt’s derzuä’g’schribe. Isch das nöd e chli en ii’bildeti Theorie? Wil, mini Vernunft isch denn der Massstab. Es lauft druf use: das, won ICH vernünftig finde, hett dr Jesus in Galiläa und Judäa und Jerusalem damals tatsächlich g’sait. Und alles, won ICH unvernünftig finde, hett dr Jesus uf sine Wanderschafte und bi sine Predigte damals nöd g’sait. Diä Theorie hätt mindestens zwei Hööke (Haken): erstens, vilicht isch jo der Jesus sehr wohl vernünftig gsi, aber ICH bin nöd vernünftig, oder nöd ganz so vernünftig wiä dr Jesus. Wenn in dr Bible en Uusspruch vom Jesus stoht und ich mich drüber uuf’rege, denn chan das gliich en echte Uus’spruch vom Jesus sii, aber ich han halt nöd dr Durch’blick. Mer chan jo nöd überall druus’choo. Wenn ich an dr ETH Züri in en Vortrag über Molekularbiologie sitze, denn chan ich no so fest d Ohre spitze, aber ich chume nöd drus. Das bedütet aber nöd, dass dr Redner luuter Blödsinn über Molekularbiologie verzellt. Es bedütet nur, dass ich kai Ahnig vo Molekularbiologie han. Theoretisch isch es denn immer no möglich, dass dr Professor en riise Chabis verzellt. Aber denn isch es nöd drum en riise Chabis, wil ich nöd druus’chume. Sondern ich müsst bereits druus’choo, zum be’urteile chöne, ob dr Professor an sim Pültli öpis Gschids verzellt oder nöd. Und dodrbi, wenn ich jetzt an d ETH giängti, wär dr Professor no in dr gliiche Stadt wiän ich, er würdi zur gliiche Ziit läbe wiä ich, und solang er dütsch oder englisch redet, chönnt ich ihn au verstoh. Hingege, diä Sache wo dr Jesus gsait hett, diä hett er im vordere Orient gsait vor zweituusig Johr in aramäisch. Do isch es liicht möglich, dass im vordere Orient vor zweituusig Johr in aramäisch öpis völlig logisch und vernünftig übere’choo isch, wo ich in dr Schwiiz im Februar 2004 in mine Mundart’gedanke nöd nach’voll’ziäh chan. Ich han vorher vo zwai Hööke g’redet bi däre Theorie, dass ali unvernünftige Uus’sprüch vom Jesus aifach nachträglich derzuä dichtet worde seiged. Dr erst Hooke isch gsi: wenn ich öpis nöd verstohne, cha’s wäge dem gliich vernünftig sii. Vilicht ligt dr fehlendi Durchblick bi mir. Dr zwait Hooke fangt gar nöd wiä nen Hooke aa: vili Lüüt läsed d Bible. Vili Lüüt mached sich Gedanke über d Bible. Vili Lüüt mached sich verschideni Gedanke über d Bible. Dr aint findet das vernünftig, wo in dr Bible stoh. Dr ander findet öpis anders vernünftig, wo amene andere Ort in dr Bible stoht. Als Christe glaubed mir an Jesus. Das heisst nonig, dass mir ali s tupf-gliiche glaubed. Wil vermuätlich jede vo ois Jesus wider uf e verschideni Art gseht. Das isch ain Grund gsi, wiso mir im Konf verschideni künstlerischi Darstellige vo Jesus aa’g’luäget hend. E künstlerischi Darstellig isch nöd unbedingt richtig oder falsch. Bi mene Bild chan ich säge: das Bild spricht mich aa. Ich chan au säge: wenn ich diä Statue doh so aaluäge, chummt mir überhaupt nüt derzuä in Sinn. Es berüahrt mich nöd. Kunst, und künstlerischi Darstellige händ vil mit Freiheit z tuä, wil si nöd aidüütig sind. Wenn mer über d Bible diskutiärt, goht diä Freiheit mängisch verloore. Denn dr aint behauptet: Jesus hett där Spruch in Lukas 9 Vers sowieso niä gsait. Dr ander behauptet: doch, där Spruch in Lukas 9 Vers sowieso isch genau vom Jesus. Und wieder en andere chummt mit dr Behauptig: also, dr ersti Tail vom Lukas 9 Vers sowieso isch vom Jesus sowie 4 Wörter us em zwaite Tail; diä Wörter im zwaite Tail vor däne 4 Wörter und diä Wörter im zwaite Tail nach dene 4 Wörter, diä sind derzuä’dichtet.
Liäbi Gmaind, und jetzt passiärt öpis nöd: es ertönt kai Stimm vom Himmel und sait: Professor A, dini Theorie isch richtig. Es ertönt nöd emol e Stimm, wo sait: Liäbi Professore A und B und C, ihr ligged ali total dernäbet. Es erklingt kai Stimm usser de Stimme vo de Lüüt, wo jede wider öpis anders in dr Bible vernünftig findet und öpis anders unvernünftig. Und wil sich d Theologe an dr Universität Züri bis hüt drüber striited, wer jetzt rächt hett und wer nöd, händ si aifach kai Ziit zum d Pfärrer uus’bilde und uf s Gemeinde’läbe vor’bereite. Aber das muäs mer verstoh: wer rächt hett und wer nöd, das isch e mega wichtigi Froog. Vor allem, wenn mer no derfür aa’gstellt isch, rächt z haa. Also, jetzt wider zrugg zum Ernst. Dr Albert Schweitzer hett das scho g’wüsst, dass verschideni Mensche öpis verschides für vernünftig halted. Und drum hett er au ii’gseh, dass es letztlich nöd möglich isch, mit Vernunft z be’urteile, was jetzt in dr Bible dr Jesus tatsächlich gsait hett und was er tatsächlich anderst gsait hett oder anderst g’maint oder villicht überhaupt nöd gsait. D Konsequenz, wo dr Schweitzer druus zoge hett, isch gsi: mir chönd über dr historischi Jesus kai letzt’gültigi wisse’schaftlichi Uus’sage mache. Immer, wenn ich öpis säge, chan en andere choo, und behaupte, ich heigi Unrecht. Denn stoht Uussag geg Uussag. Und wenn sich dr ander und ich nöd möged, denn händ mir zuä’sätzlich au no Striit. D Bible verlüürt ihre Wärt dur das nöd, dass öpert anders anderi Sache drin wichtig findet als ich. Das isch, wiä wenn mer in e Schatz’kammere goht und dr aint findet döt en Fingerring mit eme Smaragd druff schön und öpert anders findet en goldige Pokal und maint, der seig jetzt s Schönste. Es hett ebe scho öpis mit persönlichem Empfinde z tuä. Es wär tumm zum säge: mir gönd nöd in diä Schatz’chammere ine, es g’fallt drin nämlich sowieso nöd allne s genau gliiche. Im Gege’tail: das, wo aim g’fallt, an dem hett mer Froid, mit däm chamer sich beschäftige, mit däm chamer sich motiviäre und uuf’baue und sis Läbe gestalte. D Bible isch e Sammlig vo Erfahrige, wo vili Mänsche über en lange Ziitraum hinweg mit Gott gmacht händ. Ich bin nur ain Mensch. Läse chan ich alles, mit mim aigete Läbe vergliiche chan ich au alles. Nur wird s Sache geh, wo ich in mim aigete Läbe kain Aahalts’punkt finde, nüt wo ähnlich isch. Das haisst nonig, dass diä Lüüt in dr Bible das nöd erläbt händ, wo si beschribed. Es heisst nur, dass ich nöd alles Froid und Leid vo dr Menschheit in de extremste Höche und Tüüfe mit mine knapp 42 Johr scho dure’g’stande hätti. Mus ich au nöd. Mit däm, won ich han, bin ich meh als uus’g’lastet. Und ich mach mir kai Sorge, dass es mir jemals langwilig wird derbi. AMEN.
01Eingangsspiel: Händel – Sonate für Oboe und Continuo B Dur, Allegro 02Grusswort aus Losungen: Wer seinen Dienst als Gemeindehelfer gut versieht, wird in der Gemeinde geehrt und kann zuversichtlich einstehen für den Glauben, der uns mit Jesus Christus verbindet. (1. Timotheus 3,13) 03Lied EG 558,1-5 „Du Glanz aus Gottes Herrlichkeiten“ 04(stehend / im Wechsel) Psalmgebet EG 137 [Psalm 121] 05Schriftlesung: Lukas 8,4-8 06Lied EG 27,1-3 „O höchster, deine Gütigkeit“ 07Predigttext: Hebräer 4,12-13 08Lied mit Gitarre EG 685,1-5 „Schönster Herr Jesu“ 09Predigt 10Zwischenspiel: Mozart – Adagio für Oboe und Orgel 11(stehend) Fürbitte 12Lied EG 727,1-2.4.6 „Womit soll ich dich wohl loben“ 13Kollekte 14Mitteilungen: Oboe – Harry Bertschinger 15Schlussstrophe EG 354 „Gott Vater, dir sei Dank gesagt und Ehre“ 16Schlusswort aus Losungen: Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn; / dir nahe zu sein, ist mein ganzes Glück. / Ich will weitersagen, was du getan hast. (Psalm 73,28) 17(stehend / gemeinsam) Unser Vater 18(stehend) Segen 19(sitzend) Ausgangsspiel: Bach – „Wohl mir, dass ich Jesum habe“, Choral aus der Kantate 147
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