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2004-01-04, 10:00 Gottesdienst am 2. Sonntag nach Weihnachten Schriftlesung Lukas 2,41-52 „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“ [GN] (41)Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem. (42)Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie ihn zum ersten Mal mit. (43)Nach den Feiertagen machten sie sich wieder auf den Heimweg; aber Jesus blieb ohne Wissen seiner Eltern in Jerusalem. (44)Sie dachten, er sei irgendwo unter den Pilgern. Sie gingen den ganzen Tag und suchten ihn dann abends unter ihren Verwandten und Bekannten. (45)Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. (46)Am dritten Tag endlich entdeckten sie ihn im Tempel. Er sass bei den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und diskutierte mit ihnen. (47)Alle, die dabei waren, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. // (48)Seine Eltern waren ganz ausser sich, als sie ihn hier fanden. Die Mutter sagte zu ihm: „Kind, warum machst du uns solchen Kummer? Dein Vater und ich haben dich ganz verzweifelt gesucht.“ (49)Jesus antwortete: „Warum habt ihr mich denn gesucht? Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ (50)Aber sie verstanden nicht, was er damit meinte. // (51)Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und gehorchte ihnen willig. Seine Mutter bewahrte das alles in ihrem Herzen. (52)Jesus nahm weiter zu an Jahren wie an Verständnis, und Gott und die Menschen hatten ihre Freude an ihm.
Predigttext 1. Johannes 5,11-13 (11){Diese besagt:} Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und wir erhalten dieses Leben durch seinen Sohn. (12)Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben. Wer aber den Sohn nicht hat, der hat auch das Leben nicht. // (13)Ich schreibe euch dies, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt. Ihr verlasst euch ja auf den Sohn Gottes.
Liebi Gmaind, in dr Wiähnachtsziit, wo bis zum Dreikönigstag goht, isch Jesus es Thema für d Mediä. In däm Johr wird nöd nur über s Jesus-Chind brichtet. Di dütsche Magazin Geo und Focus händ dr erwachseni Jesus uf s Titelbild gnoh. Das isch scho emol es guäts Zaiche. Mer gseht s Jesus-Chindli in dr Chrippe. Und denn möcht mer wüsse, was das eigentlich für e Person isch, wo do im Stall s Liächt vo dr Wält erblickt hätt. Um was gohts bi Jesus? Das zaigt sich nur scho in dr Schlagziile uf em Titelblatt. Söll mer doh schribe: „wer ‚war’Jesus“, oder söll mer schribe: „wer ‚ist‘ Jesus“? – In dem Moment, wo mer 2000 Johr spöter no über öpert schribt, isch diä Person natürlich nach wie vor bedütsam. Aber d Frog stellt sich: isch dr Jesus wichtig, wil mer sich an ihn erinneret? Oder isch dr Jesus wichtig, wil er hüt läbt? Und wo läbt er hüt? Im Himmel, also objektiv, autonom, vo ois losglöst? Oder läbt er hüt in oiserne Herze, also subjektiv, abhängig dervo, ob mir an ihn dänked oder ihn vergässed? In aim vo de beide Heftli, won ich erwähnt han, stoht es Interview mit eme amerikanische Wisse’schaftler. Das Interview isch aakündet mit de Wort, dr Wisse’schaftler sägi, Jesus heigis vilicht gar niä gee. Wenn mer denn allerdings s Interview list, sait där Forscher öpis anders. Er sait, wer Jesus würklich gsi seig, das chöni mer hüt nüme fest’stelle. Und er sait nomol öpis: nämlich dass mir ali mit oiserne Vor’urteil an Jesus ane’gönd und denn nur das in ihm gsehnd, wo mir in ihm gseh wänd: Wenn mer Feminismus guät findet, isch denn Jesus plötzlich en Feminist. Wenn mer Revolution toll findet, isch denn Jesus plötzlich en Revolutionär. Wenn mer Philosophie toll findet, isch denn Jesus plötzlich en Philosoph. Und wenn mer Dichtig toll findet, isch denn Jesus plötzlich en Dichter. Wenn hingege Schamane hoch im Kurs stönd, isch denn Jesus plötzlich en Schaman, also e Mischig vo Medizin’maa und Arzt, vo Wunderheiler und Dokter. Und und und. Im Verlauf vom Christe’tum isch Jesus scho mit soviel Bilder überlageret worde, dass es tatsächlich sehr schwirig isch, das unter de Bilder z entdecke. Und vilicht isch es sogar en Illusion, z glaube, dass mer dr echti Jesus entdeckt, wenn mer ali Vorurteil über ihn Schicht für Schicht weg’chratzt. Denn zumindest imene Tail vo de klassische Vor’urteil über dr Jesus chönnti joh dr berüähmti Funke Wohrheit enthalte sii. Es isch vermuätlich so, dass Jesus Fraue und Manne für gliich wärtvoll aagluäget hett. Ob er sich sälber wäg däm als Feminischt bezaichne würdi, wenn er hüt in ere Talkshow z Gast wär, das waiss ich nöd. Sicher wär Feminismus nöd sis ganze Programm. Ich nimme aa, es gäbti no anders, wo für ihn wichtig wär. Und ob Jesus jetzt en Revolutionär gsi isch? Es sind Aahänger vo gwalttätigem politischem Umsturz gsi, wo das behauptet händ. Und si sind unterstützt worde in ihrer Theorie vo kommunistische Regime, wo dr Jesus händ wele unter Kontrolle bringe. D Kommuniste händ gsait, wenn dr Jesus hüt läbe würdi, denn wär er aine vo ois. Er ghört ois. Das isch aigentlich s Gege’tail vom Glaube. Im Glaube sägen ich: ich ghöre zu Jesus. Wenn mer hingege Jesus ver’iinahmt, denn macht mer ihn zumene Zwangs’mit’glied in däm Club, wo mer sälber derzuä ghört. Das isch aber nüt nois. S Mittelalter isch d Ziit vo de Schmerze gsi, wil d Mänsche vo dr damalige Ziit oisi moderne Schmerz’mittel und Operations’methode nöd kennt händ. Wil diä, wo im Mittelalter g’läbt händ, Jesus als e wichtigi Person wahrgnoh händ, händ si ihn als „Schmerzens“ aa gseh. Jesus isch über Jahrhunderti als „der grosse Schmerzensmann“ betrachtet worde. Mer hätt ihn vor allem am Chrüz gseh. Mer hett mit vil Hingab sini offene Wunde zeichnet. Plastischi Darstellige vom plogte Körper am Chrüz sind entstande. Praktisch jede hett sich chöne mit däm identifiziäre. Es isch denn vilicht nöd in erster Liniä e göttlichi Indentifikation gsi. Sondern mer isch sälber en liidende Mensch gsi, mit Zahnweh, mit Gliederschmerze, mit Mageproblem – und denn hett mer an allne Orte Bilder und Statue gseh vom Jesus am Chrüz, und dodrin hett mer sin aigete körperliche Schmerz, sis aigete körperliche Liide wi imene Spiägel wiedergseh. Es isch für en mittelalterliche Mensch en Akt vo dr Selbsterkenntnis gsi, uf es Bild vo Jesus am Chrüz z luäge. Erst in zwaiter Liniä isch denn d Überlegig derzuä choo, dass in Jesus Gott Mensch worde isch, und dass er oises Liide tailt hett. Und erst in dritter Liniä isch denn d Überlegig derzuä choo, dass Jesus für ois g’litte und ois dodrmit erlöst hätt. Dass s Christe’tum früäner emol in Mitteleuropa e Totalreligion gsi isch, wo praktisch ali mit Uusnahm vo wenige Jude an ihn glaubt händ, das isch nöd nur es religiöses Phänomen. Es hätt au dodrmit z tuä, dass Jesus, eso wiä mer ihn hauptsächlich aa’gluäget hett, e menschlichi Identifikationsfigur gsi isch, en menschliche Held, es menschlichs Idol. Ain, wo nöd nur glanzlos liidet, wiä fast ali, sondern ain, wo das Liide bi ihm g’fiiret wird, vergoldet und farbig aagmolt und in ere Chile uufgstellt oder amene Wägrand, damit s aim überläbensgross erschiint, grossartiger, theatralisch, dramatisch. Und, isch Jesus dr Schmerzens’maa gsi? Für diä Lüüt, wo ihn als das aa’gluäget hend, isch Jesus dr grossi Liidendi gsi, aber in Wirklichkeit? In Wirklichkeit hett Jesus nur in einere Phase vo sim Läbe körperlich g’litte. Mängisch uf dr Wanderschaft und bi dr Aakunft in Jerusalem hett er düsteri Vor’ahnige gha. Das hett er sine Jünger verzellt, und diä händ nöd eso Froid gha. Di düstere Gedanke hend nöd so is Bild passt, wo sich d Jünger allem Aaschii noch vo Jesus g’macht händ. Si händ ihn als en fröhliche Mensch kennt, wo gärn an Fest gange isch und wo sich zwischedine in dr Einsamkeit erholt hätt, damit er nochhär wider under d Lüüt goh mag. Er hett mit Leideschaft öffentlichi Striitgspröch gfüährt und er hett gärn prediget. Offebar hett er mängisch au sehr lang prediget. D Vorahnige über sin gwaltsame Tod sind kais körperlichs Liide gsi. In dr Nacht vor sinere Verhaftig hett er Angstzuäständ gha. Das hätt ihn aber nöd notwendigerwiis zum Spiegelbild vo Lüüt mit Zahnweh und Gliederschmerze gmacht. Di römische Soldate händ Jesus g’folteret, und am Chrüz isch er tödet worde. Das isch där Uus’schnitt vom Läbe, wo d Wohrnehmig vo Jesus ainigi Johrhunderte lang sehr intensiv prägt hätt. Es isch en intensive Uus’schnitt. Aber es isch en Uus’schnitt. Wer isch Jesus? Diä Frog wird tatsächlich überlageret dur d Frog: wer isch Jesus für ois? Und wer Jesus für ois isch, das isch stark dervo abhängig, zu welere Ziit mir läbed und inwiewit das öpis us em Läbe vo Jesus mit oiserne Bedürfnis identifiziärt werde chan. Dass mer sich mit Jesus beschäftiget, muäs nöd zwingend e religiösi Aaglägeheit sii. Es gseht mängisch eso uus. Wenn mir es mittelalterlichs Kruzifix gsehnd, e Statuä vo Jesus am Chrüz, dänked mir vilicht, das seig e rein religiösi Aaglägeheit. Es hett aber zum grösste Teil mit öpis anderem z tuä, mit Selbsterkenntnis. Und Selbsterkenntnis isch öpis tolls. Aber es isch aigentlich nöd mega religiös. S meiste im Läbe isch au nöd Religion, sondern irgendöpis anders. Öpis vom Fasziniärende an Jesus isch es vilicht, dass er nöd nur religiös gsi isch. Sondern dass er gläbt hett. Es git vili Facette vo däm, wo ihn bewegt hett und wo er taa (getan) hett. S Verlockende do dra isch, dass mer ai Facette dervo usenimmt und sait: „Das isch dr Jesus, jetzt händ mer neh!“ – Derbi isch es nur en Tail.
Wer Jesus objektiv gsi isch, loht sich möglicherwiis nöd beantworte. Wil mer hätted müse döt si, vor 2000 Johr in Palästina, und ihn gseh. Und au döt hätted mir ihn nöd chöne objektiv beurteile. Wil, bevor mer amene andere Mensch in dem sini Auge luägt, luägt mer zerst emol us sine aigete Auge use. Was ich imene andere Mensch gsehne, isch zerst emol das, wo ich us mir sälber scho kenne und in dem andere Mensch widerfinde. Oder won ich glaube, dass ich s im andere Mensch wiederfinde. Amene andere Mensch das usez‘finde, wo tatsächlich andersch isch als bi mir, das isch denn scho fast e Üebig für Fortgeschrittene. Ich glaub, mer chan en Mensch nur subjektiv gseh. Drum gits zwar en Jesus, aber wenn mir über Jesus reded, denn reded mir über Wahrnehmige vo Jesus, über Bilder, wo mir üs vo ihm mached. Und mir sötted dr Respekt haa, um dr Unterschied z wüsse zwischet Jesus, wo mir erst in dr Ewigkeit erkenned, und däm Bild vo Jesus, wo mir jetzt scho händ. AMEN.
01Eingangsspiel 02Gruss 03Lied EG 685,1-5 „Schönster Herr Jesu“ 04(stehend / im Wechsel) Psalmgebet EG 128 [Psalm 103] 05Schriftlesung Lukas 2,41-52 06Lied EG 8,1.2.1 „Ich lobe meinen Gott“ (Orgel und Gitarre) 07Predigttext 1. Johannes 5,11-13 08Lied EG 372,1-5 „Die Nacht ist vorgedrungen“ 09Predigt 10Zwischenspiel 11(stehend) Fürbitte 12Lied EG 291,1-4 „Gott, deine Güte reicht so weit“ 13Kollekte. Mitteilungen 14Schlussstrophe EG 354 „Gott Vater“ (zuerst 1 x Melodie) 15(stehend / gemeinsam) Unser Vater 16(stehend) Segen 17(sitzend) Ausgangsspiel
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